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Sozialpartner streiten sich: Hohe Lohnforderungen in der Schweiz

Veröffentlicht am 17.11.2022 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Nicht nur die Schweiz kämpft mit hohen Teuerungsraten, die seit 2008 ihren höchsten Stand erreicht haben. Es sind vor allem die Energie- und Rohstoffpreise, die die Teuerung bedingen. Da bleibt es nicht aus, dass von Seiten der Gewerkschaften Forderungen nach einer saftigen Lohnerhöhung laut werden.
Warum die Gewerkschaften hohe Lohnerhöhungen fordern

Die Travail Suisse fordert als unabhängiger Dachverband der Arbeitnehmer massive Lohnerhöhungen zwischen 3 und 5 Prozent. Begründet werden diese Lohnforderungen durch die deutlich höheren Lebenshaltungskosten sowie mit den Produktivitätsgewinnen der Unternehmen. Es sind nicht nur die höheren Konsumentenpreise, sondern auch die gestiegenen Energiekosten und Gesundheitskosten, die die Bürger belasten.

Im Gegensatz dazu wächst die Schweizer Wirtschaft aktuell kräftig, wobei bereits im Vorjahr hohe Gewinne verzeichnet wurden. Eine Lohnerhöhung sei auch deshalb wichtig, um die Kaufkraft der Arbeitnehmer zu sichern und um sie an der positiven Wirtschaftsentwicklung zu beteiligen, so Thomas Bauer, der Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail Suisse. Die Beteiligung an Produktivitätsgewinnen und die Sicherung der Kaufkraft seien wichtige Voraussetzungen für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz.

Die Auffassung des Schweizerischen Arbeitgeberverbands

Der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, Valentin Vogt, mahnt indes Besonnenheit an. Aktuell der Krieg in der Ukraine sowie die zurückliegende Corona-Krise seien besondere Herausforderungen für Unternehmen und die Wirtschaft in der Schweiz. Noch seien Unternehmen damit beschäftigt, sich zu stabilisieren und Reserven aufzubauen, wobei es zwischen den einzelnen Branchen signifikante Unterschiede gebe.

Aus diesen Gründen sei es Unternehmen nicht zuzumuten, die steigenden Energie- und Rohstoffpreise den Arbeitgebern aufzubürden und die Löhne entsprechend zu erhöhen. In diesem Zusammenhang verweist Vogt auch auf die Entscheidungsautonomie, wonach Lohnverhandlungen weitgehend im Unternehmen selbst oder in der jeweiligen Branche stattfinden.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lohnverhandlungen 2023 entwickeln werden. Währenddessen erhöht sich der Druck auf die Arbeitnehmer in Bezug auf die steigenden Lebenshaltungs- und Energiekosten und oftmals auch der Leistungsdruck wegen fehlender Fachkräfte. Insoweit wären deutlich gestiegene Löhne eine Anerkennung der Leistung der Arbeitnehmer.

3 Tipps für die Lohnverhandlungen mit dem Arbeitgeber

Unabhängig davon, wie die Lohnverhandlungen auf Bundesebene ausgehen werden, hat jeder Arbeitnehmer die Möglichkeit, mit dem Arbeitgeber eine individuelle Erhöhung des Lohns auszuhandeln. Was Sie für erfolgreiche Lohnverhandlungen brauchen, sind gute Argumente. Welche das sein können, das erfahren Sie in den nachfolgenden 3 Tipps.
  1. Stützen Sie Ihre Argumentation auf Ihre Leistung. Verdeutlichen Sie Ihren Nutzen und den Mehrwert, den Sie dem Unternehmen bieten, anhand von konkreten Beispielen wie erfolgreich abgeschlossene Projekte, die Erweiterung des Kundenstamms aufgrund Ihrer Initiative oder die Lösung eines beruflichen Problems.
     
  2. Bieten Sie zum Beispiel Ihrem Arbeitgeber an, an einem zusätzlichen Projekt mitzuarbeiten oder Ihren bisherigen Aufgabenbereich zu erweitern. Auch das sind gute Gründe, um nach einer Lohnerhöhung zu fragen.
     
  3. Auch ein Hinweis auf Ihre Verantwortung im Job, zum Beispiel durch Übernahme verantwortungsvoller Tätigkeiten oder einer Führungsrolle, ist ein gewichtiger Grund für eine Lohnerhöhung.
Vermeiden Sie bei Lohnverhandlungen grundsätzlich den Vergleich mit Kollegen. Konzentrieren Sie sich stattdessen ausschliesslich auf Ihre Person und aussagekräftige Argumente.