Stimmt es, dass Lehrabgänger wegen der Rekrutenschule keinen Job bekommen? - jobbern.ch
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Stimmt es, dass Lehrabgänger wegen der Rekrutenschule keinen Job bekommen?

Veröffentlicht am 22.06.2023 von Marcel Penn, Marketing- und Verkaufsleiter Classifieds - Bildquelle: Getty Images
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Häufig erhalten Lehrabgänger, die noch vor der Rekrutenschule stehen, keine Stelle. Das ist nicht
nur für jeden, den es betrifft, sehr ärgerlich - viele empfinden dies als eine grundlegende Diskriminierung.
Nachteile durch den verpflichtenden Dienst

Eigentlich sollte die Tatsache, dass eine Rekrutenschule noch nicht absolviert wurde, keinen Einfluss auf die persönlichen Jobaussichten haben. Doch Fakt ist: Wenn der Pflichtdienst noch nicht geleistet wurde, scheuen viele Arbeitgeber vor einer Einstellung militärdienstpflichtiger Personen. Die Swiss beispielsweise stellt keine jungen Männer als Kabinenpersonal ein, die ihre militärische Grundausbildung noch nicht hinter sich gebracht haben. Und auch für viele andere Unternehmen stellt die Tatsache, dass die Rekrutenschule im Lebenslauf noch nicht ersichtlich ist, eine hohe psychologische Hürde dar.

Daraus ergeben sich Nachteile für junge Männer, die viele als nicht gerecht empfinden. Darüber hinaus schwindet die Solidarität mit dem verpflichtenden Wehrdienst allmählich allgemein in der Bevölkerung. So sind inzwischen viele Schweizerinnen und Schweizer davon überzeugt, dass die Militärpflicht wichtige Arbeitskräfte aus der Wirtschaft zieht.

Die persönliche Karriere leidet durch die Zurückhaltung von Arbeitgebern

Junge männliche Schweizer Staatsbürger erleben leider häufig, dass ihr berufliches Vorankommen
durch die Rekrutenschule ins Stocken gerät. Der Grund für die Ablehnung bei einer Bewerbung vor
der Rekrutenschule ist meist, dass die betrieblichen Abläufe durch die Abwesenheit, die sich durch
den Militärdienst ergibt, stark gestört werden. Bisher warteten Unternehmen bisher lieber ab, bis
die Bewerber die Rekrutenschule in ihrem Lebenslauf abgehakt hatten, bevor sie sich zu einer
Einstellung entschieden.

Insbesondere kleinere Betriebe sehen es als Problem an, wenn sie längere Zeit auf die Mitarbeiter verzichten müssen. Die Ausgleichskasse zahlt den Arbeitgebern zwar einen Teil des Lohnes für die Zeit, die sie durch den Pflichtdienst auf den Mitarbeiter verzichten müssen. Dennoch stellt die Rekrutenschule eine Hürde für viele Betriebe - vor allem kleine und internationale Unternehmen - dar.

Fachkräftemangel zwingt zum Umdenken

Der aktuelle Fachkräftemangel könnte die Betriebe allerdings zu einem Umdenken zwingen. Denn es stellt sich für viele Unternehmen inzwischen die Frage, ob sie sich ein Ablehnen von qualifizierten Bewerbern überhaupt noch leisten können. Gerade Betriebe in Branchen, die unter chronischem Personalmangel leiden, haben das Bestreben, sich für den Bewerbermarkt als äusserst attraktiver Arbeitgeber darzustellen. Von daher könnte sich in naher Zukunft durchaus eine Veränderung beim Thema "Rekrutenschule und Karriere" einstellen.